Vortrag auf der Werkstättenmesse 2018

Ich habe dieses Jahr wieder die Gelegenheit, einen Vortrag auf der Werkstättenmesse in Nürnberg zu halten (danke an die BAG WfbM für die Einladung).

Das Thema ist „Messbarkeit beruflicher Bildung“. Die Vortragsfolien finden sich im Bereich Wissenschaft oder hier als Direktlink.

WfbM-Witz

Ich hatte kürzlich wieder einmal länger Gelegenheit, mich außerhalb meines eigenen Arbeitskontextes mit Selbstvertreter_innen in Maßnahmen der Eingliederungshilfe zu unterhalten. Dabei erzählte mir ein Werkstattrat folgenden Witz:

Jemand stirbt und kommt in den Himmel. Am Himmelstor steht erwartungsgemäß der Apostel Petrus.
Leider verwehrt er unserem jemand den Zutritt:
"Tut mir leid, du warst kein guter Mensch, du musst in die Hölle."
Nutzt ja alles nichts, steigt unsere Person ab in die Hölle und sieht sich dort um. 
Überraschenderweise erblickt sie dort den Apostel Paulus und spricht ihn an: 
"Sag mal, Paulus, was machst du denn hier?"
"Ich arbeite hier.", antwortet Paulus.
"Echt? Ich hätte ja gedacht, dass du im Himmel arbeitest.", entgegnet unsere Person.
"Tue ich doch!", antwortet Paulus.
"Aber das ist doch die Hölle hier!", wendet unsere Person ein.
"Tja,", sagt Paulus. "ich habe einen ausgelagerten Arbeitsplatz."

Der Werkstattrat schob noch nach: "Siehst du, manchmal versprechen Sie einem beim allgemeinen Arbeitsmarkt den Himmel auf Erden, aber so mancher Arbeitsplatz kann dann doch die Hölle sein."

Ein einfaches Schaubild

Hinweis: Dieser Eintrag erschien zuerst im alten Blog

Ein kurzes Schmankerl von einer Tagung zum Thema Teilhabeforschung, auf der ich im Oktober war:

Dies hier ist laut dem von mir sehr geschätzten Prof. Feuser ein "einfaches Schaubild":

Eine komplizierte Grafik

Interessanterweise ist es tatsächlich die überschaubarste Grafik seines Vortrages, der im Übrigen hervorragend war. Besonders begeistert war ich davon, wie er im Rahmen eines behindertenpädagogischen Vortrages mal kurz im Vorbeigehen die These "Universitäten sind Sonderschulen" in den Raum stellte und kurz und überzeugend begründete, ohne dass das Thema seines Vortrages aus der Sicht geriet.

Vorgetäuschte Partizipation

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Einen Auszug aus dem Eintrag "Partizipation" aus dem "Evangelischen Staatslexikon" (Hrsg.: Herzog, R. et.al.), Band 2, Stuttgart 1987 (3. erw. Auflage) möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Wir befinden uns in der Abschnittshierarchie an folgender Stelle des Eintrags:

  • III. Gesellschaftliche Bedeutung
    • A. Integrationstheoretischer Ansatz (es geht hier um Systemintegration)
      • 1. Integrationstheoretische Vorzüge von Partizipation
        • b) Konsensbeschaffung

Und nun das Zitat:

"P. kann Widerstände der durch Akte der Herrschaftsausübung Betroffenen abbauen und damit die Durchsetzung des jeweiligen Herrschaftsaktes erleichtern. Das kann geschehen, indem aufgrund der P. der Herrschaftsakt den Interessen der Betroffenen jedenfalls in den Randbereichen angepaßt wird."

Soweit so eklig. Aber weiter:

"Es kann aber schon genügen, daß durch P. den Betroffenen nur das Gefühl vermittelt wird, an der Herrschaft beteiligt zu sein, wobei insbesondere ausgebildetere P.verfahren durch Isolierung des einzelnen und 'Zerkleinerung' seiner Interessen im Sinne LUHMANNS legitimitätsbildende Wirkung entfalten können."

Auf deutsch: Wichtig ist, dass die Leute das Gefühl haben, beteiligt zu sein. Je komplizierter das Beteiligungsverfahren, desto isolierter ist der einzelne Mensch und desto weniger ist er sich bewusst, dass er nicht der einzige ist, dessen Interessen unter die Räder kommen.

Ich fürchte, das haben viel zu viele Politiker gelesen und verstanden...

Arbeitsmarkt: Menschen mit Behinderung nicht mitgezählt

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Am 13.01.2011 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Sachstandsbericht zur Evaluation arbeitsmarktpolitischer Instrumente veröffentlicht. CDU, CSU und FDP hatten 2009 im Koalitionsvertrag (Link: PDF) vereinbart, dass alle arbeitsmarktpolitischen Instrumente (ABM, "Arbeitsgelegenheiten" und dergleichen) evaluiert werden, so das BMAS. Es bezieht sich dabei vermutlich auf folgenden Absatz des Koalitionsvertrages (S.22):

Aufgabenkritik der Bundesagentur für Arbeit [...] Die Aufgaben und Strukturen der BA sind einer Aufgabenkritik zu unterziehen, um eine möglichst effiziente Dienstleistung für die Bürgerinnen und Bürger zu erzielen. Grundsätzlich gilt, dass finanzielle Mittel und das Personal der jeweiligen Aufgabe folgen.

Bei der Gestaltung dieser effizienten Dienstleistung hat die Regierung hier also die Absicht, das tun der Bundesagentur für Arbeit zu evaluieren, um finanzielle und personelle Ressourcen innerhalb der BA da hin zu verteilen, wo am meisten Wirkung erzielt wird. Mal davon abgesehen, dass man diesen Satz auch schlicht als "Wir geben kein zusätzliches Geld für Arbeitsmarktpolitik aus." interpretieren kann, interessiert mich natürlich, wie die Leistungen zur Eingliederung ins Arbeitsleben von Menschen mit Behinderung bei diesem Prozess abschneiden.

Kurz gesagt: Gar nicht. Sie tauchen nämlich in dem Sachstandbericht nicht wirklich auf. Nur an einer Stelle, nämlich da, wo uns mitgeteilt wird, dass man sie nicht mitgezählt hat (S. 17):

Nicht diskutiert werden etwa der Eingliederungszuschuss für besonders betroffene schwer behinderte Menschen, sowie Sonderregelungen für behinderte Personen.

Man kann nur spekulieren, was das bzgl. der Ressourcenverteilung für diese Maßnahmen bedeutet. Im besten Fall könnte man sagen: "Was nicht evaluiert wird, steht nicht auf dem Prüfstand. Hier wird also weder Geld hinzugefügt, noch weggenommen.", Im schlechtesten Fall: "Das wurde nicht evaluiert, weil es ohnehin in der Prioritätenliste ganz weit unten steht." Eine dritte, m.E. aber recht unwahrscheinliche Erklärung wäre noch, dass die Gelder, die im Bereich Eingliederung ins Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung fließen, im Vergleich zu anderen Bereichen so klein sind, dass sie nicht interessieren. Zwar bezahlt die BA die Grundsicherung nach SGB II, dass die meisten Menschen mit Behinderung, die nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sind, empfangen, aber die Maßnahmen für diesen Personenkreis trägt die BA nur anteilig. Nimmt man sich die Maßnahmeform WfbM als Beispiel, so trägt die BA hier in der Regel nur die Maßnahmen im Berufsbildungsbereich. Im Arbeitsbereich werden die Maßnahmen in der Regel vom Sozialhilfeträger bezahlt.

Egal welche dieser drei Möglichkeiten es ist, fest steht, dass bei einer umfassenden Aufgabenkritik der BA jene Aufgaben, die sich auf Menschen mit Behinderung beziehen, nicht interessant zu sein scheinen.

Ein kleiner Nachschlag noch: Lies mehr…